Lilienthaler feiern Flugpionier
Man schrieb das Jahr 1962, als Horst Schwenzer seinen Traum vom Fliegen verwirklichte. Damals hob er in Schönefeld in einer IL 14 nach Budapest ab. Wenngleich er heute meint, eine eher wackelige Reise erlebt zu haben, war die Technik seit 1894 weit fortgeschritten.
Ende des 19. Jahrhunderts hatte der Ingenieur und Visionär Otto Lilienthal vom westhavelländischen Gollenberg aus der Menschheit den Weg zum Himmel erschlossen. In einem Gleiter war er vom Boden abgehoben. Lilienthal erreichte dort beachtliche Weiten von bis zu 250 Metern. Den Flugpionier hat der Stöllner Otto-Lilienthal-Verein fest in sein Herz geschlossen. 1991 gehörte Schwenzer zu den Gründungsmitgliedern; heute ist er der Vorsitzende.
Am 7. August lädt man zum Gedenkfest an den Ort des Geschehens ein. Wo Lilienthal am 9. August 1896 abstürzte, er starb am Tag danach in einem Berliner Krankenhaus, wird seit Jahren gefeiert. Seit der 1990-er Auflage ist eine Iljuschin (IL) 62 das Prunkstück des ältesten Flugplatzes der Welt. Wie sich Schwenzer erinnert, sei Ende der 1980-er Jahre die DDR-Airline Interflug auf die ehrgeizigen Aktivitäten rund um Stölln und Lilienthal aufmerksam geworden. Sie nahm von sich aus Kontakt auf. Die ausgemusterte Maschine gab es zwar kostenlos, doch die Finanzierung der Landevoraussetzungen gingen auf das Konto der Stöllner. Schwenzer agierte in jenen spannenden Tagen als Hauptbuchhalter der Milchviehanlage im Ort. Mehr als 90.000 DDR-Mark mussten erst aufgebracht werden.
Während eine IL 18 zum Zentrum des Hans-Grade-Museums im mittelmärkischen Borkheide werden sollte, nahm eine IL 62 Kurs auf das Westhavelland. Die spektakuläre Landung mit Fliegerass Heinz-Dieter Kallbach am Steuer ist im Internet auf http://www.otto-lilienthal.de zu sehen. Mit ihm und seiner Crew sei der Verein aufs Innigste verbunden geblieben. Kallbach gehörte in späteren Jahren zu umjubelten Gästen auf den Fliegerfesten in Stölln. Gern steuerte er eine „Rosinenbomber“ genannte DC 3 zum Gollenberg. Leider erlebte diese Maschine im Juni dieses Jahres eine Bruchlandung bei Schönefeld und nahm dabei schweren Schaden. Sie war die einzige, die in Europa mit Verkehrszulassung flog. Kallbach, der diesmal nicht im Cockpit saß, ist nun Vorsitzender des vor etwa zwei Wochen gegründeten Fördervereins für den Wiederaufbau des Rosinenbombers. Horst Schwenzer glaubt zwar fest an ein Gelingen der Fliegermission, meint aber mutig: „Wenn es nicht klappt, nehmen wir die Maschine!“