Der Intercity bringt Tulpen aus Amsterdam

Bundesgartenschau schafft neue Verbindungen

Die Bundesgartenschau macht’s möglich: Busse und Bahnen verkehren über alle Grenzen hinweg. Die Trennlinie zwischen Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg VBB und Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt Nasa ist im Liniennetzplan nur noch als leicht eingefärbte Markierung zu erkennen. Es war eine große logistische Herausforderung, den Nahverkehr zu den fünf Schau-Orten und vor allem zwischen ihnen zu organisieren, weil annähernd 20 Unternehmen und Gremien beteiligt werden mussten, sagt Christian Bodach. Knapp drei Jahre lang hat der Chef für touristische Infrastruktur im Buga-Zweckverband verhandelt, bis gestern die Ergebnisse verkündet werden konnten.

„Den Nahverkehr zu Großveranstaltungen zu organisieren, ist immer eine besondere Herausforderung“, sagt VBB-Geschäftsführerin Susanne Henckel. Die Unternehmen müssten sich in die Rolle des Fahrgastes hineinversetzen. „Wenn ich irgendwo fremd bin, stellen sich Fragen wie die nach dem Ticket, dessen Verfügbarkeit und Geltungsbereich.“ Gemeinsam mit der Nasa und der Deutschen Bahn AG sei es gelungen, viele Dinge zu vereinfachen und zu harmonisieren. So werden beispielsweise gegenseitig das Brandenburg-Berlin-Ticket und das Sachsen-Anhalt-Ticket in allen Buga-Orten anerkannt.
Informiert werden die Gartenschaubesucher auf beinahe allen Arealen mit so genannten dynamischen Anzeigen von VBB und Nasa über alle Anschlüsse und die bevorstehenden Abfahrtzeiten von den jeweiligen Bahnhöfen/Busbahnhöfen.

Weil erfahrungsgemäß zwischen 15 und 22 Prozent aller Buga-Gäste mit den „Öffentlichen“ anreisen, wurden zusätzliche Halte geschaffen, Takte verkürzt, Züge verstärkt. So konnten Zweckverband mit Industrie- und Handelskammer gemeinsam den Fernverkehrsvorstand der Bahn AG überzeugen, dass zumindest während der Schau vom 18. April bis 11. Oktober 2015 den Intercity auf der Linie Amsterdam–Berlin alle zwei Stunden in Rathenow stoppt – das sind sechs bis acht Halte am Tag. So verkürzt sich beispielsweise die Anreise für Gäste aus Hannover auf 80 Minuten, für Besucher aus Hamburg auf 2:10 Stunden.

Die Linie RB 51 (Streckenverläufe und Halte siehe Infokasten) wird zur Buga auch an den Wochenenden und Feiertagen im Stundentakt verkehren, an diesen Tagen werden zum Verdoppeln der Kapazität jeweils zwei Züge zusammengeschnallt. Die RB 34 verkehrt ebenfalls außerhalb der Werktage im Stundentakt.

Stendalbus und Havelbus bieten die Linie 686 zu jeder Stunde als Verbindung zwischen den drei Buga-Orten Rathenow, Stölln und Havelberg an. Die Hansestadt wird zudem über die Linie 900 an den Bahn-Regionalverkehr in Glöwen beziehungsweise Schönhausen angebunden.

In Brandenburg an der Havel gibt es zur Bundesgartenschau eine Straßenbahnlinie 8, deren Streckenverlauf der Zahl sehr ähnelt. Die Bezeichnung sei daher nicht zufällig, sagt VBBr-Chef Werner Jumpertz. Sie fährt am Hauptbahnhof los, über Große Gartenstraße, Steinstraße, Haupt-/Ritterstraße zur Plauer Straße, wo provisorisch nahe des Plauer Torturms eine komplette Haltestelle eingerichtet wird. Retour geht es über Bauhofstraße, Jacob-/Steinstraße, Sankt-Annen-Straße zum Hauptbahnhof.

Die „8“ verkehrt aber nur wochenends und feiertags, in der Woche ist die Abdeckung auf dieser Route durch „2“ und „6“ ausreichend. Beide Linien werden ebenfalls an der neuen Haltestelle stoppen. „Wir müssen auch noch etwas umbauen und improvisieren, weil die ,Spaltbreite’ zwischen Tram-Ausstieg und Bordsteinkante bei 70 Zentimetern liegt und 23 Zentimeter Höhenunterschied zu überwinden sind.“

Jumpertz gibt zu, dass der neue Halt sehr nahe am Nicolaiplatz mit regulärer Haltestelle liegt. „Wir wollen den Gästen aber nur minimale Fußwege zu den Buga-Arealen zumuten.“ „Von einer solchen Ringbahn habe ich immer geträumt. Vielleicht schaffen wir es ja, sie über die Buga hinaus zu behalten“, sagt Verbandsvorsteherin Dietlind Tiemann.

Noch sind nicht ganz alle Probleme gelöst. Für den Innenstadtshuttle vom Kaiserbahnhof in Rathenow zum Optikpark gibt es zwar Busse, aber noch kein Fahrpersonal, sagt Verbandsgeschäftsführer Erhard Skupch. Und Roland Pauli vom Bahnunternehmen Odeg (RB 51) findet es ja ganz spannend, dass Doppelzüge im Stundentakt wochenends fahren sollen, doch habe noch niemand diese Leistung beim Unternehmen bestellt.
Doch scheinen die Probleme lösbar. Verkehrsministerium, Zweckverband, VBB, Nasa und die Landkreise Havelland und Stendal haben viel Geld in die Hand genommen, um den komplizierten Nahverkehr einfach zu organisieren. Da wird es an den kleineren Aufgaben nicht scheitern, versprechen alle Beteiligten.

Von André Wirsing (Märkische Allgemeine)

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