Die verrückte Idee mit dem Flugzeug

Märkische Allgemeine

Vor genau 20 Jahren nahm dank Rolf Wagner die Idee der „Lady Agnes“ für Stölln Gestalt an

Wer ist Rolf Wagner? Ihm ist es zu verdanken, dass die Lady Agnes nach Stölln gekommen ist: Im Frühjahr 1988 hatte die Bürgermeisterin von Stölln, Sybille Heling, die Idee, etwas für Lilienthal und dessen Wirken in Stölln zu tun. Der damalige Chef der staatlichen DDR-Fluglinie Interflug, Herr Henkes, beauftragte seinen Verantwortlichen für Kultur – Rolf Wagner – die Bürgermeisterin von Stölln zu empfangen. Frau Heling wollte Interflug dafür gewinnen, etwas für die Popularität des Flugpioniers Otto Lilienthal in Stölln und darüber hinaus zu tun. Wagner ließ sich die ganze Flughistorie von Stölln und Lilienthal erzählen und versprach, auf jeden Fall zu helfen. Schließlich erwähnte er, dass es die Möglichkeit gebe, eine ausgemusterte Iljuschin (IL) 18 oder IL 62 nach Stölln zu überführen, diese dort abzustellen und für die Besucher frei zu geben.

Die Idee war phantastisch, nur blieb zunächst unklar, wie sie verwirklicht werden könnte. Denn auch die Kosten für die Umsetzung waren phantastisch, zumindest für eine so kleine Gemeinde wie Stölln: Allein der Schrottwert der Maschine, für den die Gemeinde aufkommen sollte, betrug 60 000 Mark. Hinzu kamen noch die Kosten für die Überführung des Flugzeuges, etwa für das Kerosin, und, als größter Posten, die Präparierung des Landeplatzes für die rund 75 Tonnen schwere Iljuschin.

Sybille Heling war hin und hergerissen: Ablehnen wollte sie nicht, aber annehmen konnte sie wegen der ungeklärten Finanzierung vorerst auch nicht. Vom Rat des Kreises erhielt sie keine Unterstützung. Die landwirtschaftlichen Betriebe hatten einen gewissen finanziellen Spielraum, vor allem die in Stölln ansässige ZGE Milchviehanlage. Als sie dort das Vorhaben vorstellte, fand sie zunächst keine Unterstützung, weil das Projekt den Verantwortlichen des Betriebes zu teuer und zu phantastisch erschien.

Am 8. August 1988 dann erhielt Sybille Heling den erlösenden Anruf von Rolf Wagner, der alles änderte: „Frau Heling, ich habe nach schwierigen Verhandlungen erreicht, dass wir der Gemeinde Stölln eine ausgemusterte IL 62 schenken. Sie brauchen keine Schrottwertkosten zu bezahlen und auch nicht die Überführungskosten. Nur für die Landekosten in Stölln sind Sie selbst zuständig.“

Die Bürgermeisterin war begeistert und sprach noch einmal mit den Verantwortlichen der ZGE. Schließlich erklärten sie sich bereit den Landeplatz vorzubereiten: Dazu wurden einige Hektar Wald gerodet, es musste Sand aufgeschüttet und der Landeplatz grundsätzlich befestigt werden. Die Kosten für den Betrieb beliefen sich auf rund 100 000 Mark.

Die IL 62 landete nach gut einem Jahr Vorbereitung am 23. Oktober 1989 um 13.03 Uhr auf der 850 m langen Graspiste. Es war eine Meisterleistung der Crew um Heinz-Dieter Kallbach.

Die ursprüngliche Idee zur Überführung der Lady Agnes hatte Rolf Wagner. Und er war es auch, der für die Umsetzung verantwortlich war. Das Stölln als Attraktion die IL 62 hat, ist also zum großen Teil sein Verdienst. Er dankt immer wieder allen an der Landung Beteiligten für die Verwirklichung des Vorhabens.

Rolf Wagner wurde am 21. Juni dieses Jahres 80 Jahre alt. Die Mitglieder des Stöllner Vereins gratulierten ihm zu seinem Ehrentag in seinem Heimatort Michendorf.

Er ist Ehrenmitglied des Vereins und wird zu allen Festlichkeiten nach Stölln eingeladen. Danke Rolf Wagner. Danke Sybille Heling.

geschrieben von Horst Schwenzer

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