Erinnerungen an den ersten Flieger

Märkische Allgemeine

In Stölln wurde das Otto-Lilienthal-Fest gefeiert / Der Blick richtet sich auf die Bundesgartenschau 2015

„Widerstand aufbauen und Widerstand überwinden“, das sei das Geheimnis des Fliegens. „Frei nach diesem Motto betrieb der Flugpionier Otto Lilienthal auch seine theoretischen und praktischen Arbeiten, um für die Menschheit den Traum vom Fliegen zu Verwirklichen“, berichtete Jochen Grenzdörfer, Beauftragter zur Pflege des Lilienthal-Erbes, am Samstag in seiner Festrede zum 114. Todestag des Flugpioniers. Lilienthal habe in Stölln, aber auch in seiner Werkstatt in Berlin, wo er seine Fluggleiter gemeinsam mit dem Segelflugmechaniker Paul Beylich fertigte, Weltmeisterliches vollbracht. Darauf müsse man stolz sein und daran müsse man erinnern, betonte Grenzdörfer. Der Lilienthal-Experte hatte die Gäste, die zur traditionellen Kranzniederlegung an der Gedenkstätte auf dem Gollenberg kamen, wieder einmal mit neuen Erkenntnissen und Geschichten über Karl Wilhelm Otto Lilienthal überrascht.

Auch Horst Schwenzer, Vorsitzender des Otto-Lilienthal Vereins, erinnerte an den Flugpionier. Und Ende dieses Jahres soll der neue Stöllner Tourismusmagnet, das Lilienthal-Centrum, fertiggestellt werden, bevor dann 2011 die offizielle Eröffnung gefeiert wird, so Schwenzer. Zur Bundesgartenschau 2015 wird in Stölln ein Fliegerpark präsentiert. Neben Grenzdörfer und Schwenzer waren auch der Flugkapitän Heinz-Dieter Kallbach, der vor fast 21 Jahren die Iljuschin-62 auf dem Stöllner Acker landete, sowie seine Co-Piloten Peter Bley und Peter Müller nach Stölln gekommen. An jenem Ort, wo Lilienthal seine waghalsigen Flugversuche unternahm und wo er am 9. August 1896 abstürzte. Hier wurde später ein Denkmal errichtet, wo nun jährlich zum Todestag an die Verdienste Lilienthals erinnert wird. Seit 39 Jahren wird außerdem ein Fest zu Ehren des Flugpioniers gefeiert. Das Otto-Lilienthal Fest ist schon lange eine feste Größe.

Am Wochenende zog es zahlreiche Flugbegeisterte zum Gollenberg. Natürlich drehte sich alles um die Fliegerei. Segel- und Motorflieger zeigten ihr Können, Mutige nutzten die Gelegenheit zu einem Rundflug.

Im Pavillon neben der Lady Agnes wartete auf die Besucher eine Ausstellung zur Geschichte des wahrscheinlich ältesten Flugplatzes der Welt, die Johannes Hille, Vorsitzender des Flugsportvereins Stölln, gemeinsam mit seinem Vater Friedemann aufbereitete. Die Ausstellung zeigt in Bildern und Texten die Entwicklung des historischen Ortes: Von der Entdeckung des Gollenbergs als optimale Erhebung für Flugversuche durch Lilienthal 1894, über die Entwicklung der Fliegerei nach dessen Tod, den Veränderungen während der Nazizeit, als der Flugplatz zu einem großen Zentrum der Flugsports ausgebaut werden sollte, den Neuanfängen in der DDR, der spektakulären Landung der Iljuschin 62 am 23. Oktober 1989 und den Veränderungen, die die Wende mit sich brachte bis heute. Wobei man den Teilnehmerrekord des Streckenflugwettbewerbs in diesem Jahr als kleines Happy End betrachten kann.

Neben all dem Wissenswerten, das rund um das Fest geboten wurde, kam natürlich auch der Spaß nicht zu kurz. Am Nachmittag sorgten Clown Celly, ein Zauberer, Optikparkbiber Opti und die Kinder der Kita Knirpsenstadt aus Rhinow für Unterhaltung. Die Gruppe „Ice Cream“ aus dem Elbe-Parey Kreis in Sachsen-Anhalt bescherte den Besuchen mit Livegesang und Tanz ein schwungvolles Nachmittagsprogramm und endlich fand auch wieder das traditionelle Reit- und Springturnier auf dem Stöllner Festplatz statt.

Den Abend ließen die Besucher mit einem Tanz unter den Tragflächen der „Lady Agnes“ ausklingen – Fliegerromantik pur!

geschrieben von Christin Schmidt

Zurück