Ferdinand, der Ururenkel Otto Lilienthals

Weil Otto Lilienthal (1848-1896) einst am Gollenberg erste Kehren flog, verfügt der westhavelländische BUGA-2015-Ausstellungsort Stölln heute über ein außergewöhnliches Kapitel Ortsgeschichte. Der DDR-Fluglinie Interflug wurde das als erste bewusst.

Sie spendierte 1989 eine ausgemusterte IL 62, um mit ihr den ersten Flugplatz der Welt zu schmücken. Ein Otto-Lilienthal-Verein entstand in der Folge, auch ein Flugsportverein Otto Lilienthal. Das Dorf huldigt dem weltberühmten Ingenieur auf vielfältige Weise. Die Gaststätte, in der Otto Lilienthal oft verkehrte und in die er unmittelbar nach seinem Absturz am 9. August 1896 gebracht wurde, heißt "Zum ersten Flieger". Im April 2011 öffnete das Lilienthal-Centrum, das, das erfreute die Betreiber, bereits von direkten Nachfahren besucht wurde. Laut Eintrag im Gästebuch, den Horst Schwenzer, Vorsitzender des Lilienthal-Vereins stolz präsentiert, gastierte Wolfgang Lilienthal mit seiner Familie am 6. August 2011 im Centrum, also kurz vor dem Jahrestag des Absturzes.

Wie der Besucher später in einer E-Mail berichtete, sei es nicht das einzige Unglück in der Familiengeschichte gewesen. Sein Vater Günter, Enkel des Flugvisionärs, starb am 10. August 1971 bei einer Bergtour in den Alpen: "Also fiel mein Vater genau 75 Jahre nach dem Flugunfall von Otto Lilienthal ebenfalls einem Unfall zum Opfer. Mein Vater wurde 49 Jahre alt, Otto 48 Jahre. Dies mutet sehr schicksalsträchtig an", so Wolfgang Lilienthal in seiner E-Mail. Sein 2004 geborener Sohn Ferdinand ist Ururenkel und jüngster männlicher Nachfahre Otto Lilienthals.

Fritz, der Sohn des ersten Fliegers, war laut Familienchronik auch ein Ingenieur und wurde für MAN in Augsburg tätig. Dessen Sohn Günter studierte nach dem 2. Weltkrieg Mathematik und Physik für das höhere Lehramt und trat nach Abschluss des Studiums eine Stelle am Descartes-Gymnasium in Neuburg/Donau an. Dessen Sohn Wolfgang wurde 1957 geboren. Wie er selbst berichtet habe er nach dem Abitur Tiermedizin studiert und startete nach der Promotion (1985) seine berufliche Laufbahn bei der Hoechst AG. 13 Jahre sei Wolfgang Lilienthal im Ausland tätig gewesen, so in Indien, in der Schweiz, in den USA und in Frankreich. 2005 zog die Familie nach Berlin.

Wie das Gästebuch des Lilienthal-Centrums zeigt, besichtigten auch andere Lilienthals die Ausstellung inSie sind aber keine Nachfahren desjenigen, dem das Centrum gewidmet ist. Ebenso war auch Wilhelmine Lilienthal nicht mit Otto verwandt oder verschwägert. Die Frau wohnte in Witzke und holte 1949 den damals zehnjährigen Horst Schwenzer zu sich. Seit dem Tod seines Vaters (1947) war er Vollwaise und lebte in einem Kinderheim in Hohennauen. Als er 14 war, starb die Pflegemutter. "Wenn sie mich adoptiert hätte, würde ich heute auch Lilienthal heißen", so Horst Schwenzer lächelnd.

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