Heinz-Dieter Kailbach

Jeden Morgen springt er in den See vor seinem Sommerhaus bei Bad Saarow. Krault 100 Meter raus und wieder zurück. So hält sich Heinz-Dieter Kailbach fit. „Als aktiver Pilot muss man das sein. Sport gehört zu meinem Alltag. “ Gerade erst hat sein Arzt seine Lizenz für die Sportfliegerei um ein Jahr verlängert. Aber auch per Pkw ist er viel unterwegs: zu Lesungen aus seiner Autobiografie „Mayday über Saragossa“.

Der Titel bezieht sich auf ein Ereignis im Jahr 2000: Er steuerte gerade einen vollbesetzten Germania-Ferienflieger von Teneriffa zurück nach Berlin, als ein Selbstmordattentäter ins Cockpit eindrang. „In einem fünfminütigen Kampf auf Leben und Tod habe ich ihn besiegt - die Erinnerungen bleiben frisch. Glücklicherweise habe ich in 33 000 Flugstunden aber auch Unvergessliches erlebt, das schöner ist.“

Zum Beispiel, als ihm 1989 das Kunststück mit der Iljuschin 62 gelang: Am Ende eines 900 Meter langen Kartoffelackers bei Stölln im Havelland brachte er einen ausgemusterten Jet der Interflug sicher zum Stehen (normalerweise sind dafür 2,5 Kilometer nötig). Seither dient die „Lady Agnes“, wie die 11-62 heute genannt wird, als Museum für den 1896 hier verunglückten Flugpionier Otto Lilienthal sowie als originelles Standesamt - mit Kallbach als gelegentlichem „Trauzeugen“.

Er selbst kann auf 49 Ehejahre verweisen. „Ein Jahr vor der goldenen Hochzeit starb meine geliebte Hannelore. Ein schlimmer Schlag. “ Das war vor sieben Jahren - doch jüngst hat sich der erfahrene Pilot wieder verliebt. Spricht er von „ihr“, der TV-Schauspielerin Renate Geißler, klingt seine sonst feste Stimme plötzlich zärtlich: „Sie ist eine hinreißende Frau und mir eine liebe Gefährtin.“

Sein Herz hängt aber nach wie vor auch an der Fliegerei, weshalb er sich am Ende seines Berufslebens als Ausbilder betätigt. So schult er etwa in Berlin-Schönefeld junge Piloten an einem Boeing-Simulator.

Seine eigene Laufbahn begann 1957 bei der NVA. „Mein erster Alleinflug mit einem Antonov-2-Doppeldecker ist auch so ein Moment, den ich niemals vergessen werde. Die Platzrunden über Brandenburg-Briest, großartig.“ 1961 ging er zur Zivilluftfahrt, flog zunächst mit Iljuschin-14-Maschinen u.a. auf den DDR-Inlandsstrecken (bis 1980 gab es einen Linienverkehr zwischen Berlin und Leipzig, Dresden, Erfurt und Barth!). Später steuerte er die großen Iljuschin-62-Jets der Interflug rund um den Globus.

Nach der Wende widmete er sich, neben seiner Tätigkeit bei der Germania, verstärkt auch historischen Fluggeräten. So holte er 2001 eine originale Douglas DC-3 aus Coventry nach Berlin. Diese Maschine war schon 1948/49 oft an der Spree gewiesen, als „Rosinenbomber“ während der Luftbrücke. Kallbach steuerte den legendären Vogel auf Rundflügen über die Stadt, und würde das wohl noch immer tun, hätte nicht ein anderer Pilot 2010 damit eine Bruchlandung hingelegt.

Im Juni 2018, zu seinem 60. Fliegerjubiläum, soll nun definitiv Schluss sein mit der Fliegerei. Finale: ein Rundflug über Deutschland. Dazu will er ein flinkes Kleinflugzeug chartern, Stopps in Stölln und Heringsdorf sind schon fest eingeplant. Auch wer die Co-Pilotin ist: seine Lebensgefährtin Renate Geißler.

SUPERillu Nr. 36/2017

Steckbrief

Heinz-Dieter Kailbach

Geboren 1940 in Essen, aufgewachsen in der DDR. Gelernter Dreher.

Pilot bei der Interflug seit 1961. Ab 1983 war er Chefpilot der lljuschin-62-Flotte, die zeitweilig 13 Maschinen umfasste. Einen ll-62-Jet landete er 1989 auf einem Feld bei Stölln.

Autobiografie „Mayday über Saragossa“, ISBN 978-3-939611-21-9; 22,90 Euro

Zurück