20. Jahrestag der Landung der IL 62 auf dem ältesten Flugplatz der Welt

Der PreußenSpiegel

Es war der 23. Oktober 1989, Punkt 13.03 Uhr als eine Iljuschin 62 der Interflug auf dem ältesten Flugplatz der Welt in Stölln auf dem Acker wieder Boden unter den Rädern bekam. 20 Jahre sind seit dieser spektakulären Landung eines Langstreckenflugzeuges vergangen. Für den Otto-Lilienthal-Verein Stölln ein Grund, dieses Jubiläum gemeinsam mit der damaligen Crew um den Piloten Heinz-Dieter Kallbach und allen interessierten Leuten an diese historische Landung zu erinnern. Zunächst erfolgte die Begrüßung durch den Vorsitzenden des Vereins, Horst Schwenzer. „Es ist jetzt genau 13.03 Uhr. Gestern vor genau 20 Jahren ist die IL 62 der Interflug auf dem Gollenberg gelandet“, sind die einleitenden Worte von Horst Schwenzer. Er dankte die Crew, die damals dieses waghalsige Unternehmen umsetzte und bat den Flugkapitän Heinz-Dieter Kallbach, seinen Co-Piloten Peter Bley sowie Ulrich Müller und Rudolf Göge nach vorn. In seinen folgenden Worten erinnerte der Vereins-Chef noch einmal an den ersten Flugpionier Otto Lilienthal. Am 9. August 1896 experimentierte er bei herrlichem Kaiserwetter wieder einmal mit seinem Flugobjekt am Stöllner Gollenberg. Nach einigen erfolgreichen Versuchen erfasste ihn eine Windböe – Lilienthal stürzte aus 17 Meter Höhe ab und erlag seinen Verletzungen am folgenden Tag.

In seiner Festrede erzählte Heinz-Dieter Kallbach noch einmal die umfangreiche Geschichte und die Ereignisse vor der eigentlichen Landung des Iljuschin auf dem Acker. Am 21. September 1988 wurde der Pilot von Rolf Wagner von der ehemaligen DDR-Fluggesellschaft das erste Mal gefragt, ob er nicht ein Langstreckenflieger auf den Gollenberg bringen wolle. „Für mich war das eine absolut verrückte Idee. Keiner würde die Genehmigung dafür erteilen“, erzählt Heinz-Dieter Kallbach. Dennoch hat es den Flugkapitän gereizt. Einen Monat hat er nachgedacht und Ansatzpunkte gefunden, wie es funktionieren kann. „Ich habe damals gesagt, dass ich es nicht mehr für unmöglich halte, diese Maschine auf einem Acker zu landen“, erinnert sich der Pilot. Nach einer ersten Beratung erfolgte am 9. November 1988 die Erarbeitung eines Maßnahmeplanes, der fünf entscheidende Faktoren beinhaltete: Die Schaffung der fliegerischen Voraussetzungen, die Vorbereitung der technischen Voraussetzungen, die organisatorische Sicherstellung, die Einhaltung von Gesetzten und Vorschriften sowie das Einholen der Genehmigungen. „Die Landung erfolgte nach sowjetischem Vorbild. Ich habe mir dafür Unterlagen aus der damaligen Sowjetunion kommen lassen, die durch Landungen von Transportflugzeugen in unwegsames Gelände bereits viele Erfahrungen sammeln konnten“, erklärt Heinz-Dieter Kallbach. Fast zwölf Monate lang dauerten die Vorbereitungen. Am 8. Oktober 1989 war der Pilot noch einmal vor Ort und musste mit Entsetzen feststellen, dass ein Bauer gerade dabei war, die Landepiste umzupflügen. Am 23. Oktober, um 13.03 Uhr gelang der Kallbach-Crew dann das Meisterstück. Der Flugkapitän von damals freut sich, dass es dank dem Engagement der damaligen Stöllner Bürgermeisterin Sybille Heling und dem heutigen Lilienthal-Vereins gelungen ist, das Erbe des ersten Flugpioniers lebendig zu halten.

Im Anschluss an die Festreden und die Glückwünsche gab es viele Gespräche zwischen den Besuchern und der ehemaligen Iljuschin-Crew sowie eine Signierungsstunde des Buches von Heinz-Dieter Kallbach „Mayday über Saragossa“.

geschrieben von fep

Zurück