Lady Agnes braucht Hilfe

"Nach den vielen Jahren ist es dringend nötig, dass die IL 62 konserviert wird", mahnte Heinz-Dieter Kallbach. Der Flugkapitän landete die am 4. Mai 1973 in Dienst gestellte Interflugmaschine mit der Kennung "SEG" nach knapp 24.000 Flugstunden und knapp 8.000 Landungen am 23. Oktober 1989, um 13.03 Uhr auf dem Acker am Stöllner Gollenberg.

Zum weiteren Erhalt der Maschine ist vor allem eine Korrossionschutzbehandlung der Außenhaut, der Triebwerke und des Fahrwerks erforderlich. Genau nach 27 Jahren beging der Ort am Sonntag das diesjährige Landefest mit den Mitgliedern der damaligen Landecrew, ohne den Copiloten Peter Bley. Neben Flugkapitän Heinz-Dieter Kallbach kamen auch die nicht so häufigen Stölln-Gäste, Navigator Rudolf Döge und Bordingenieur Ulrich Müller.

"Die Technik der IL 62 ist mit der heutiger Flugzeuge nicht mehr zu vergleichen", so der Bordingenieur im Cockpit der Lady Agnes. "Auch die gesamte Flugkultur hat sich verändert." Ulrich Müller erinnert sich beispielsweise noch gern an die häufigen Aufenthalte im nigerianischen Lagos, einem Interflug-Drehkreuz für Afrika.

Im Jahr 1965 kam Müller zur Interflug, flog zuerst auf der "AN 24". Von 1968 bis 1974 flog auch seine Frau als Stewardess mit der Interflug. "Wir sind aber nie zusammen geflogen", so Ulrich Müller. "Vor dem Projekt der Landung der "SEG' in Stölln waren wir in meiner Erinnerung auch nie als gemeinsame Crew auf einem Linienflug zusammen."

Der Bordingenieur ist bis zum Schluss der Interflug 1990 geflogen. "Bis zur Rente war ich bei verschiedenen Firmen beim Bodenpersonal tätig", so Ulrich Müller. "Aber noch heute bin ich mit der Fliegerei verbunden. Geradezu exzessiv betreibe ich mein Hobby des Modellflugsports; bin in zwei Vereinen aktiv. Das nimmt sehr viel Zeit in Anspruch."

Zum 27. Landefest spielte die Flugplatzkapelle Stölln Songs ihres Albums "Im Vollrausch der Bärte". Die Band mit Musikern aus dem Westhavelland spielte schon zur Eröffnungfest der BUGA vor der Kulisse der Lady Agnes ihre deutschsprachigen Titel, die teilweise auch das Fliegen zum Thema haben. Der herbstlich sonnige Wetter lockte viele Havelländer und Gäste von außerhalb nachAuch die rund 15 Teilnehmer des jährlichen Drachenfestivals hatten am Gollenberg guten Wind.

Das Jahr 2016 war für Stölln und seine Flugtradition ein besonderes. Nach dem fünfjährigen Geburtstag des Lilienthal-Centrums, dem 168. Geburtstag Lilienthals und dem Otto-Lilienthal-Fest um den 120. Todestag des Flugpioniers mit dem Jubiläum 125 Jahre Menschenflug beging der Otto-Lilienthal-Verein am Sonntag das 27. Landefest der IL 62.

Mit einem Flyer ruft der Lilienthal-Verein zu Spenden für die Sanierung und Konservierung der Lady Agnes auf. Kontonummer bei der Volksbank Rathenow: DE 20 1609 1994 0002 0022 30, Stichwort "Spende IL-62/Stölln Airport". Das Flugzeug kann noch bis zum 31. Oktober, 10.00 bis 17.00 Uhr, besichtigt werden. Danach ist bis März "Winterschlaf". Das Lilienthal-Centrum ist von November bis Februar sonntags von 11.00 bis 16.00 Uhr geöffnet.

Von Simone Weber (MOZ)

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