Mit Tempo 260 auf Stöllner Acker aufgesetzt

Spektakulär war die Landung der IL-62 DDR-SEG am 23. Oktober 1989 inSeither hat der Ort ein Passagierflugzeug. Aus Anlass des 25. Jahrestags der Landung wird am Samstag, 25. Oktober, groß gefeiert. Aber warum kam die Maschine an den Gollenberg?

Die Geschichte hat einen Namen, den von Sybille Heling, die 1985 Bürgermeisterin geworden war. Sie wollte die Themen Lilienthal und Fliegerei noch deutlicher in den Fokus rücken. Dazu bedurfte es eines besonderen Exponats. 1988 wandte sie sich deshalb an den Interflug-Generaldirektor, der sie an den damaligen Kulturbeauftragten Rolf Wagner verwies. Der kam prompt zum Lilienthal-Fest in jenem Jahr.

"Am 8. August 1988 schlug Wagner mir telefonisch vor, dass Stölln eine ausrangierte IL-62 bekommen könne", so Sybille Heling weiter. "Die Interflug-Maschine bekamen wir kostenlos, aber die Überführung mussten wir bezahlen. Dabei halfen uns die LPG-Pflanzenproduktion und die Milchviehanlage im Ort." Deren damaliger Hauptbuchhalter war Horst Schwenzer, der heutige Vorsitzende des Stöllner Otto-Lilienthal-Vereins.

Von der IL-62-Idee bis zur Landung sollten noch 14 Monate vergehen. Einmal musste der Anflug nach Stölln wegen eines Fehlers der Rückschublandeklappen abgebrochen werden, ein zweites Mal wegen Nebels. Im dritten Versuch klappte es.

Bis März 1990 stand die IL-62 ungenutzt inDann entschied man sich, das Innere der Maschine zu einer Einrichtung mit musealem Charakter umzugestalten. Und noch etwas Neues sollte entstehen. Schon unmittelbar nach der Landung hatte Co-Pilot Peter Bley vorgeschlagen: "Ihr müsst in der Maschine ein Standesamt aufmachen". Ein Jahr später war er der Bräutigam des ersten Brautpaars, das in der "Lady Agnes" getraut wurde.

Der Pilot von 1989 war Heinz-Dieter Kallbach, der seine Fliegerlaufbahn 1957/58 als Pilot, damals noch bei der Armee, begonnen hatte. Der Titel "Flugkapitän" wurde ihm vor nunmehr 40 Jahren verliehen. Als Interflug-Flottenchef der IL-62-Maschinen war er auch an der Genehmigung zur Überführung der "Lady Agnes" von Berlin-Schönefeld nach Stölln beteiligt. "Heute würde so etwas keine Luftfahrtbehörde mehr genehmigen", so Kallbach.

Wie es für Schaulustige der Landung am 23. Oktober 1989 um 13.03 Uhr aussah, zeigen Videobeiträge auf Youtube. Was sich im Cockpit tat, beschreibt Kallbach: "Bei der Landung drosselte ich die Landungsgeschwindigkeit auf 260 Kilometer pro Stunde, um die Maschine auf der 860 Meter langen Landestrecke zum Stehen zu bringen. Diese Geschwindigkeit war an der Grenze des Strömungsabrisses an den Tragflächen." Die Landegeschwindigkeit einer IL-62 betrug normalerweise 340 Kilometer pro Stunde. "Am meisten war ich von der riesigen Staubwolke während der Landung überrascht", so Kallbach. Diese ist wunderbar im Internet dokumentiert.

Die Feier des Landejubiläums am 25. Oktober beginnt aus gutem Grund um 13.03 Uhr am Flugzeug. Heinz-Dieter Kallbach, Horst Schwenzer und Sybille Heling werden in der Folge an der Maschine den Namenszug "Lady Agnes" anbringen. Ab 15.00 Uhr entführt ein Kulturprogramm am nahen Lilienthal-Centrum musikalisch in einige der 49 Länder, die die "Lady Agnes" einst anflog. Ab 17.00 Uhr liest Kallbach im Lilienthal-Centrum aus seiner Biografie. Hauptgewinn einer Tombola sind zwei Tickets für Flüge nach Mallorca. Mehr Infos zum Fest gibt es telefonisch unter 033875/90690 sowie auf www.otto-lilienthal.de.

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