Stendaler Auszubildende haben die Sitze der Iljuschin 62 erneuert

Märkische Allgemeine

Aufgemöbelte Lady Agnes

Die 60 Sitze in der Lady Agnes sind wieder chic und bequem. Dafür haben 15 Abzubildende der Berufsbildungswerk Stendal GmbH gesorgt. Sie haben die Flugssitze der Iljuschin 62 vom Gollenberg seit Anfang des Jahres überholt und wieder aufgearbeitet. Dafür wurden die Sitze in mehreren Etappen aus dem Flugzeug ausgebaut und nach Stendal geschafft, wo in den Werkstätten des Berufsbildungswerkes alle notwendigen Arbeiten ausgeführt wurden. Das Werk ist nun vollbracht und der letzte Sitz im Flugzeug wieder an seinem angestammten Platz.

Zum Abschluss des außergewöhnlichen Ausbildungsprojektes und zur feierlichen Übergabe der Sitze hatte der Otto- Lilienthal- Verein die Jugendlichen gestern in das Flugzeug auf dem Gollenberg eingeladen. „Ohne ihren Einsatz wäre aus der ganzen Sache nichts geworden. Eine Fachfirma hätten wir uns nicht leisten können“, sagte der Vereinsvorsitzende Horst Schwenzer und dankte den Auszubildenden für ihre geleistete Arbeit.

Die alten Sitze möglichst schonend zu demontieren, die Teile sitzweise zu sortieren, aufzuarbeiten und wieder zu montieren waren für die Jugendlichen Arbeiten, bei denen sie viele Praxiserfahrungen sammeln konnten. „Deshalb war es für uns ein sehr lohnendes Projekt“ , erklärte Ausbildungsleiter Thomas Schäfer. „Weil wir ständig den Nutzen gesehen haben, hat die Sache auch Spaß gemacht“, ergänzte Azubi Alexander Trotzki. Besonders die Erneuerung der Polsterung erwies sich für die Jugendlichen als echte Herausforderung. Von den Helfern der Hauswirtschaftslehre wurden die Bezüge gereinigt. Zukünftige Polster- und Dekorationsnäher kümmerten sich um notwendige Ausbesserungen. Von Raumausstatter- und Metallbaulehrlingen wurden die Originalsitze der IL 62 anschließend wieder zusammengebaut.

Mit ihren rot-brauen Bezügen sorgen sie nun wieder für Charme im Inneren des Flugzeuges. 50 Sponsoren und Unternehmen haben mit einer Spende von jeweils 50 Euro wesentlich zur Finanzierung beigetragen. Ihre Namen sind auf den Sitzen zu lesen. Zehn Sitze sind noch ohne Namen und warten also auf einen Spender. „Unsere Lady ist nun wieder attraktiver geworden“, freut sich auch Gemeindebürgermeisterin Iris Hoffmann. Weil viele Sitze schon durchgesessen waren, mussten sie dringend erneuert werden. Zudem war es höchste Zeit die Bezüge gründlich zu reinigen. Die Originalsitze mussten schließlich auch ganz schön was aushalten: 16 Jahre war das Flugzeug im Dienst und absolvierte in dieser Zeit 8000 Flüge. Im Herbst 1989 kam sie mit einer spektakulären Landung auf den Gollenberg und dient seither als Museum und Standesamt. Jährlich kommen 20 000 Besucher in das Flugzeug, in dem sich bisher 794 Paare das Ja-Wort gegeben haben. All das haben die Sitze bis zu ihrer Aufarbeitung mitgemacht.

geschrieben von Norbert Stein

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