Über 50 Jahre Flugerfahrung

Das Buch "Mayday über Saragossa" des Autors Günter Heribert Münzberg über die Erinnerungen und Erlebnisse "Deutschlands legendärsten Flugkapitäns" Heinz-Dieter Kallbach wurde im Jahr 2007 veröffentlicht. Vor zwei Jahren erschien es in der bereits fünften Auflage. Auch zu den regelmäßigen, in Stölln stattfindenden Lesungen Kallbachs aus dem Buch zum Lilienthalfest im August oder zum Landefest im Oktober ist das Interesse der Zuhörer ungebrochen. Zum diesjährigen Lilien-thalfest am 8. und 9. August kamen an beiden Tagen jeweils rund 100 Zuhörer zu den zwei Lesungen.

Mit seiner erfolgreichen Landung der Interflug-Landstreckenmaschine IL 62 am 23. Oktober 1989 auf der 900 Meter kurzen Ackerfläche in Stölln gelangte Heinz-Dieter Kallbach in das Guiness-Buch der Rekorde. Im Jahr der Veröffentlichung des Buches 2007 beging der damals 67-jährige Heinz-Dieter Kallbach sein 50-jähriges Fliegerjubiläum. In seiner Dienstzeit, die er als Pilot bei der Nationalen Volksarmee begann, absolvierte Kallbach mehr als 33.000 Flugstunden, was einer Distanz von 535 Erdumrundungen entspricht.

Tragische Luftfahrtunglücke ereignen sich immer wieder und füllen so die Nachrichtensendungen. Auch Heinz-Dieter Kallbach hat während seines bewegten Berufslebens einiges erlebt. Allein zehn Mal meisterte er Triebwerksausfälle, davon zwei mit Triebwerksbrand nach dem Start. Flug LTU 1407 am 27. März 2000 von Teneriffa nach Berlin wurde zu einem der einschneidensten Erlebnisse für Flugkapitän Kallbach. Die Boeing 737-700 mit 143 Urlaubern an Bord geriet unter die Kontrolle eines Selbstmordattentäters. "Nachdem der Attentäter das Cockpit betreten hatte, befand ich mich plötzlich in seinem Würgegriff", erinnert sich Heinz-Dieter Kallbach. "Ich konnte mich losreißen, erhielt aber einen Schlag auf den Kopf." Durch das beherzte Reagieren des Flugkapitäns und der Crew konnte der Attentäter schließlich im Cockpit durch ungeahnt freigesetzte Kräfte überwältigt werden.

Heinz-Dieter Kallbach vollendete in diesem Jahr 2000 sein 60. Lebensjahr, das Ende der beruflichen Flugzeit. Bei Germania bekam er jedoch das Angebot weiter fliegen zu dürfen, wenn diese Zeit auch nur noch ein weiteres Jahr andauerte. "Seitdem sprang ich nur noch ein, wenn Not am Mann war", so Kallbach. "Bis zur Pensionierung im September 2005."

Mittlerweile engagiert sich Heinz-Dieter Kallbach verstärkt für den Erhalt von Traditionen im Zusammenhang mit besonderen Kapiteln der Fliegerei. So die Phase der Berliner Luftbrücke 1948/1949, die mit den so genannten Rosinenbombern aufrecht erhalten wurde. Ganz besonders liegt Heinz-Dieter Kallbach Stölln und "seine" Lady Agnes am Herzen. Hier ist er ganz besonders gern und regelmäßig zu Gast. So feiert Heinz-Dieter Kallbach auch das 26. Landefest am Samstag, den 24. Oktober in Stölln mit.

Von Simone Weber (MOZ)

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