Über den Stöllner Flugplatz

Märkische Allgemeine

Der älteste Flugschüler vom Gollenberg startete noch einmal in die Lüfte

Ich bin zurzeit der älteste noch lebende Stöllner Flugschüler. Seit 1932 war ich im DLV und habe beim Bau von Gleit- und Segelflugzeugen, z. B. ESG Grunau 9 (Schädelspalter) und Grunau-Baby mitgeholfen. Ab 1936 haben wir in Alt-Töplitz und später in Saarmund mit der Gleitflugausbildung begonnen. Mit 16 Jahren wurde ich zur Segelflugschule Rhinow/Stölln geschickt und habe dort 1937 meine A-Prüfung abgelegt. Die Segelflugprüfungen B und C sowie den Luftfahrschein machte ich in den Jahren 1940 bis 1942. Anschließend erwarb ich folgende Scheine für den Motorflug: LF, ELF, (Kunstflug, Nachtflug) und Blindflug II.

Mit 72 Jahren versuchte ich es noch einmal mit dem Motorflug. Zum Otto-Lilienthal-Fest in Stölln, am 8. August, hatte ich mir vorgenommen, ein Oldtimerflugzeug zu chartern und damit zu Ehren und Würdigung Lilienthals durch Überfliegen des Gollenberges und des Umfeldes in Stölln, einen Beitrag zum Festprogramm zu leisten. Es hat alles geklappt. Mit einer Bü 131 „Jungmann“ vom Flugplatz Bienenfarm konnte ich mit Hilfe von Herrn Schütthoff meine Vorstellungen verwirklichen. Nach erfolgten Überflügen und Zwischenlandung haben wir uns beim Abflug am Lilienthal-Denkmal verneigt und gewackelt als Ehrenbezeigung für Otto Lilienthal.

Zum 70. Jahrestag meiner Segelflugausbildung hatte ich Stölln auch schon am 19. Oktober 2007 besucht. Dazu habe ich meine Aufzeichnung beigefügt.

Am 19. Oktober1937 hatte ich bei der damaligen Segelflugausbildungsstelle Rhinow, am Westhang des Gollenberges meine erste Segelflugprüfung abgelegt. Dieser 70. Jahrestag veranlasste mich, wieder einmal einen Besuch dieses durch Lilienthal so bekannten Gollenberges zu machen und mich auch meiner Aktivitäten ein wenig zu erinnern.

Nachdem ich den Bürgermeister, Herrn Bernd Dahlmann, aufgesucht hatte, begab ich mich zur Gedenkstätte an der Straße nach Friesack, die ich in den früheren Jahren schon mehrmals besucht hatte. Ich erinnere mich auch, dass wir am höchsten Punkt des Gollenberges, bei unserem Segelfluglehrgang 1937, wegen mangelndem Westwind den „Gott der Winde“ nächtlich baten, den Wind von Ost auf West zu drehen, da ansonsten keine positiven Lehrgangsergebnisse zu erwarten sind. Es hat geholfen. Der gesamte Lehrgang hat seine Prüfungen bestanden, der Wind hatte sich tatsächlich geändert.

Ich habe den Aufstieg zum Denkmal an Lilienthals Absturzstelle geschafft. Nach einer Verschnaufpause habe ich den Gipfel und das am 14. September 2007 neu errichtete Denkmal erreicht. Es war wunderbares „Rückseitenwetter“ mit allem was dazugehört, ganz klare Luft und Weitsicht, Kumuluswolken und auch regen- und hagelträchtige Schauerwolken. Der mit einer Sichtachse verjüngte Nordhang geht hier verhältnismäßig steil nach unten und hat bei entsprechendem Wind sehr guten „Hangaufwind“. Ich habe hier auf einer vorhandenen Bank zwei Stunden gesessen und mein Fliegerleben Revue passieren lassen. Zur selben Zeit kam ein Roter Milan und flog längere Zeit vor meinen Augen im Hangaufwind. Ich war glücklich und dachte: wie hätte Lilienthal sich dazu gefreut!

Dem Otto-Lilienthal-Verein Stölln und der Gemeinde Gollenberg/OT Stölln wünsche ich alles Gute und beim Aus- und Aufbau des Lilienthal-Centrums viel Erfolg.

 geschrieben von Bruno Möller

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