Vor 29 Jahren: Landung auf dem Acker

Der 23. Oktober 1989 war ein schöner Herbsttag. Das Jahr sollte später als das Jahr der Wende in die deutsche Geschichte eingehen. In Stölln sorgte an dem Tag abseits von allen politischen Unruhen, die auch diese Region erfasst hatten, ein ganz anderes Ereignis für Furore.

Vor 29 Jahren landete um 13.03 Uhr die Crew um Flugkapitän Heinz-Dieter Kallbach mit einer Passagiermaschine des Typs IL 62 auf dem Stöllner Gollenberg. Die Landung auf der 860 Meter kurzen Sandlandebahn ist bis heute einmalig und ist im Guinnessbuch der Rekorde eingetragen.

Geschenk an Stölln

Die IL 62 war nach Ausmusterung aus dem aktiven Flugdienst ein Geschenk der DDR-Fluggesellschaft Interflug an die Gemeinde Stölln – zur Erinnerung an den Flugpionier Otto Lilienthal, der von 1893 bis 1896 auf dem Gollenberg Flugversuche absolvierte.

Noch immer erinnern sich viele Menschen gern und oft an jenen 23. Oktober 1989. Auch Sybille Heling. Sie war damals die Bürgermeisterin von Stölln und hatte die Idee und den Wunsch, Otto Lilienthal auf besondere Weise zu ehren.

Die Gemeinde feierte zu Ehren des Flugpioniers zwar in jedem Jahr ein Fest. Aber es war dann doch eher ein Dorf- und Reiterfest ohne Programmpunkte zum Thema Menschenflug. 1988 besuchten Führungskräfte der Interflug das Fest. Sie bekundeten Interesse, auch etwas dazu beitragen zu wollen, um Lilienthals Leistungen zu würdigen. So wurde die Idee geboren, eine IL 62 von Schönefeld nach Stölln zu bringen.

Das Vorhaben war aber alles andere als einfach. Die Landung auf der unebenen Sand- und Rasenbahn sei unmöglich, urteilte Heinz- Dieter Kallbach nach der ersten Besichtigung auf dem Gollenberg. Zurück in Schönefeld, ließ das Projekt den Leiter der IL 62-Inferflugstaffel nicht los. Er stellte Berechnungen an. Das Gewicht der Maschine musste durch den Ausbau aller Geräte, die für eine Landung nicht notwendig waren, reduziert werden.

Viele Sondergenehmigungen

Kallbach kümmerte sich um Ausnahmegenehmigungen, ohne die eine Landung in Stölln nicht möglich gewesen wäre. In Stölln kümmerte sich Sybille Heling um die Vorbereitungen. Wald musste abgeholzt und die Landebahn gewalzt werden. Sicherheitsvorkehrungen waren notwendig, falls doch etwas schief gehen würde. Sybille Heling hatte viele zuverlässige Helfer, zum Beispiel Horst Schwenzer.

Der Vorsitzende des Otto-Lilienthal-Vereins war damals Hauptbuchhalter in der Milchviehanlage Stölln und hatte die Finanzierung der Vorbereitungen sicher zu stellen. Und dann gelang das Husarenstück. Heinz-Dieter Kallbach brachte die IL 62 sicher auf den Boden, einbettet in eine große Staubwolke.

Die Stöllner tauften die IL 62 auf dem Namen „Lady Agnes“, zu Ehren von Otto Lilienthals Ehefrau. Das Flugzeug wurde zum Besuchermagnet auf dem Gollenberg und die Verwaltung richtete hier ein Standesamt ein. Das Umfeld wurde zur Bundesgartenschau 2015 gestaltet. In diesem Jahr erfolgten Sanierungsarbeiten für 140 000 Euro an dem Flugzeug.

Im Standesamt des Flugzeuges haben sich mittlerweile mehr als 950 Paare das Jawort gegeben. Die Leistung, die Heinz-Dieter Kallbach und seine Crew 1989 vollbrachten, würdigt der Otto-Lilienthal-Verein in jedem Jahr mit einem Landungsfest.

Beginn um 13.03 Uhr

In diesem Jahr ist das Fest am kommenden Samstag, 27. Oktober. Zu Beginn um 13.03 Uhr (dem Moment, als das Flugzeug in Stölln aufsetzte) werden Horst Schwenzer und Heinz-Dieter Kallbach das Ladungsfest eröffnen. Anschließend können die Besucher die Ausstellung und das neu gestaltete Standesamt besichtigen.

Im Airport gibt es um 15.30 Uhr eine Filmvorführung zu der Landung und Kallbach wird sein Buch „Mayday über Saragossa“ signieren.

Von Norbert Stein (Märkische Allgemeine)

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