Bei Air Berlin keine Chance mehr

Sogar im Westhavelland bedauert man die Entwicklungen beim nun insolventen Luftfahrtunternehmen Air Berlin. Denn Horst Schwenzer, Vorsitzender des Stöllner Otto-Lilienthal-Vereins, sah sich bereits auf einem guten Weg hin zu möglicher Kooperation bzw. zu einem Sponsoring seitens von Air Berlin. Zumindest soll sein Anliegen schon aus den unteren Verwaltungsetagen des Unternehmens nach oben hin transportiert worden sein.

"Das hätte gepasst", so Schwenzer. Von der Nähe zur Metropole mit ihren Flughäfen und der Airline, die sich vor knapp 40 Jahren den Namen der späteren Bundeshauptstadt gegeben hatte, hätte die einstige Wirkungsstätte Otto Lilienthals durchaus profitieren können. Dort wo dem Visionär, der 1896 verunglückte, Gleitflüge von mehr als 200 Metern gelungen waren, wird es nun wegen der Insolvenz definitiv kein Air-Berlin-Engagement geben können. Schwenzer will indes nach anderen Airlines Ausschau halten, die sich Lilienthals Geist und Erbe verpflichtet fühlen könnten. Ryanair, Etihad oder Air China kommen für diesbezügliche Anfragen wohl auch in Frage.

Was indes finanzielles Engagement für die am 23. Oktober 1989 in Stölln gelandete Iljuschin (IL) 62 betrifft, kann sich Horst Schwenzer berechtigte Hoffnung auf Geld der Europäischen Union machen. Die Hülle der damals an die Ausläufer des Gollenbergs platzierten Maschine, ein Geschenk der DDR-Airline Interflug, benötigt eine Generalüberholung. Sie muss abgeschliffen, entrostet, grundiert und zweifach neu angestrichen werden werden. Auch werden neue Nieten benötigt. Ist das Projekt vollendet, dürfte das Flugzeug wie fabrikneu aussehen.

Der Cheflilienthaler rechnet mit Kosten von etwa 85.000 Euro. Die kann er nun im Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung beantragen. Dieses vergibt Gelder aus dem Leader genannten EU-Förderprogramm. Die wohl höchste Hürde zur erhofften Bewilligung stellte die vorherige Beantragung bei der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Havelland dar. Dieses befindet darüber, wer sich mit Leader-Förderwünschen an das Landesamt wenden darf. Der LAG-Vorstand setzte Anfang September die Generalüberholung sogar auf Platz 1 einer Rankingliste, auf der sich sechs weitere Projekte befinden. Nach der letzten Antragstellung im Herbst 2016 war das Stöllner Flugzeug-Projekt noch durchgefallen bei der LAG.

Ursprünglich wollte der Otto-Lilienthal-Verein mehr Fördergeld als nur die nun benötigten 85.000 Euro beantragen. Schwenzer spricht von etwa 105.000 Euro. Doch taten sich inzwischen alternative Geldquellen auf, wodurch nun der Rest der Generalüberholung zum Großteil gedeckt werden kann. Denn das Flugzeug braucht unter anderem auch neue Fenster und Auslegware im Inneren.

Die Gäste des Landefestes am 28. Oktober werden die Maschine noch erleben wie Zehntausende zuvor. Laut Schwenzer wurden allein 2017 bisher etwa 20.000 Besucher in Stölln registriert. 25.000 sind das diesjährige Ziel, womit die Zahl des Vorjahrs erreicht würde. 2014 wurden noch 20.000 Besucher gezählt, im BUGA-Jahr 2015 waren es freilich weit mehr, laut Schwenzer rund 190.000.

Der von ihm geleitete Verein betreibt neben dem Flugzeug auch das Lilienthal-Centrum im Ort und verkauft Kombi-Tickets. Info-Flyer liegen praktisch in allen touristisch relevanten Einrichtungen der Region aus. Stölln stünde bei Touristen mit ganz oben auf den To-Do-Listen, so Schwenzer. Vielfach handele es sich um radfahrende Touristen, die meisten würden aus Sachsen-Anhalt kommend, auch Stölln besuchen, ehe es oft in Richtung Müritz weiter ginge. Daneben freut er sich auch über private Veranstaltungen, für die sich Westhavelländer nicht nur im Lilienthal-Centrum einmieten würden. Denn für vielfältige Anlässe taugt zudem das transparente, zur BUGA geschaffene Air-Port-Gebäude auf dem wohl ältesten Flugplatz der Welt - gleich neben dem Flugzeug, das sowohl als Ausstellungsraum und Anschauungsobjekt als auch als Standesamt dient. Die Zahl der dort erfolgten Trauungen bewegt sich inzwischen allmählich in Richtung 1.000. Laut Horst Schwenzer wurden dort schon 963 Trauungen vollzogen.

Von Rene Wernitz (MOZ)

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