Erinnerung an ein Husarenstück

Fest und Show zum 25. Landungstag der IL 62 auf dem Gollenberg

Stau vor der Gangway. Wer hinein wollte ins Flugzeug, der musste sich erst einmal anstellen. Und hinein wollten alle. Etliche hundert Flugenthusiasten, Lilienthalverehrer und Besucher aus der Region waren am Samstag nach Stölln gekommen, um dabei zu sein, beim 25. Landungsfest der IL 62 auf dem Gollenberg. Gekommen war auch die Crew, die am 23.Oktober 1989 das Flugzeug auf dem Gollenberg sicher zur Landung brachte und bis dahin für Unmöglich Gehaltenes wahr werden ließ. Verdient genossen deshalb am Samstag Flugkapitän Heinz- Dieter Kallbach, Copilot Peter Bley, Bordingenieur Ulrich Müller und Navigator Rudolf Döge ein Bad in der Menge. Sie gaben Autogramme und hatten immer wieder Fragen zu beantworten. Wie das damals alles so war, wollten die Menschen wissen. Es waren Stunden der Erinnerungen und Emotionen. Wesentlich dazu beigetragen hat der Otto Lilienthal Verein mit seinem Festprogramm.

13.03 Uhr war es, als die IL 62 am 23. Oktober vor 25 Jahren auf dem Gollenberg landete

Genau auf die Minute um 13.03 eröffnete der Vorsitzende des Lilienthalvereins, Horst Schwenzer, das Fest zur Erinnerung an jenes Ereignis, welches das touristische Leben auf dem Gollenberg grundlegend veränderte und das sogar einen Eintrag im Guinessbuch der Rekorde erhielt. Ohrenbetäubender Triebwerkslärm dröhnte vor Schwenzers Rede aus Lautsprechern über den Gollenberg – so, wie die Zaungäste der Landung vor 25 Jahren es live erlebt hatten. „Eine verrückte Idee ist damals wahr geworden“, sagte Horst Schwenzer. Er selbst war zu jener Zeit Hauptbuchhalter der Milchviehanlage Stölln. Der Betrieb unterstützte vor Ort die Vorbereitungen zur Landung auf dem Gollenberg mit 80 000 DDR-Mark, walzte die Rasenlandebahn und stellte Technik zu Verfügung. 

Die Idee, Lilienthals Verdienste mit einem Flugzeug auf dem Gollenberg zu ehren, hatte aber die damalige Stöllner Bürgermeisterin Sybille Heling. Sie fuhr eigens nach Berlin zur Interflug, um ihr Anliegen vorzutragen. Der Generaldirektor der Interflug wimmelte sie an den Kulturbeauftragten Rolf Wagner ab. Der kam nach Stölln und sagte am 8.August 1988 der Bürgermeisterin zu, dass Stölln ein Flugzeug bekommen werde. Wagner kam kurze Zeit später wieder nach Stölln. Begleitet von Flugkapitän Heinz-Dieter Kallbach, dem die Interflug das kühne Vorhaben zutraute. „Ich habe nicht einmal gewusst wo Stölln liegt“, bekannte Kallbach am Samstag. Als er dann auf dem Gollenberg stand war sein erster Gedanke: „Eine absolute Schnapsidee“.

Doch ihn reizte die Herausforderung. Er stellte Berechnungen an und kam zu der Überzeugung, dass die Sache machbar sei. 900 Meter lang war die Graspiste auf dem Gollenberg. 886 Meter sind notwendig zur Landung, hatte er berechnet. „Jetzt oder nie“, sagte sich Kallbach an jenem Oktobertag vor 25 Jahren im dritten Anflug und brachte mit seiner Crew die IL 62 zur Landung auf dem Gollenberg sicher zur Erde. Nach 800 Metern stand das Flugzeug, eingehüllt in eine dicke Staubwolke. Als Kallbach mit seiner Crew aus dem Cockpit kam, gab Sybille Heling dem Kapitän das Versprechen, das Flugzeug zu hegen und zu pflegen. Und genau so ist es gekommen: Über 500 000 Besucher waren seither auf dem Gollenberg an Bord der IL 62, der die Stöllner den Namen „Lady Agnes gaben“, in Erinnerung an Otto Lilienthals Ehefrau Agnes. Der Namenszug steht nun auch ganz offiziell am Flugzeugbug. Enthüllt hat ihn am Samstag Sybille Heling.

Gefeiert wurde der 25. Landungstag anschließend am Lilienthal-Centrum

„Willkommen an Bord“ begrüßten zwei Stewardessen die Besucher zu Kaffee, Kuchen, Tombola, gebackenem Wildschwein und einem Bühnenprogramm mit dem Motto „Love is in the air“. André Skabania vom Lilienthalverein moderierte die Show „Liebe liegt in der Luft“, mit der Musiker und Tänzer die Zu-schauer in jene Städte mitnahmen, in denen die IL 62 in ihrer aktiven Dienstzeit gelandet und gestartet ist. Folglich gehörten lateinamerikanische Rhythmen, traditionelle vietnamesische Instrumentalmusik und auch russische Klänge zum Programm.

Abgerundet wurde das alles mit einer Schau „Mode für den Himmel“. Models zeigen, in welcher Kleidung Stewardessen der Interflug ihre Gäste früher an Bord begrüßten. Eröffnet worden war die Bühnenshow von Mädchen und Jungen der Kita Stölln mit einem Programm „Kinder möchten fliegen“. An diesem Menschheitstraum, der in Stölln erstmals wahr wurde, hat sich nichts geändert.

Von Norbert Stein

erschienen in Markische Allgemeine

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