Festveranstaltung zum 20. Jahrestag der Landung der IL 62

Märkische Allgemeine

Erinnerung an eine Schnapsidee

Auf die Minute genau trat Horst Schwenzer ans Mikrofon. Exakt um 13.03 Uhr eröffnete der Vorsitzende des Otto-Lilienthal-Vereins Stölln am Samstag eine Festveranstaltung auf dem Gollenberg. „Gestern von 20 Jahren um diese Zeit ist diese IL 62 auf dem Gollenberg gelandet. Damit begann für Stölln eine neue Ära zur Ehrung des Flugpioniers Otto Lilienthal“, sagte Schwenzer.

Zum Fest an der „Lady Agnes“ war mit vielen Luftsportbegeisterten aus Nah und Fern auch Brandenburgs Landtagspräsident und Vorsitzender des Landestourismusverbandes Gunter Fritsch gekommen. Mit stürmischem Beifall wurde Flugkapitän Heinz-Dieter Kallbach mit seiner 1989-er Crew begrüßt. Gemeinsam mit Peter Bley, Ulrich Müller und Rudolph Göge hatte Kallbach die IL 62 vor 20 Jahren von Berlin- Schönefeld nach Stölln gebracht.

In seiner Festrede ließ Kallbach die ganze Geschichte und viele Ereignisse rund um die „Lady Agnes“ noch einmal Revue passieren. Rolf Wagner von der ehemaligen DDR-Fluggesellschaft Interflug war es, der Kallbach am 21. September 1988 das erste Mal mit dem Gedanken konfrontierte, eine IL 62 auf den Gollenberg zu bringen. „Eine absolut verrückte Idee“, schilderte Kallbach am Samstag seine erste Einschätzung von vor 21 Jahren. Dennoch ließ sie ihn nicht mehr los, diese verrückte Idee.

Kallbach überlegte und grübelte. Und kam zu dem Schluss, dass das Vorhaben machbar sei. So wurde mit intensiven Vorbereitungen für das Unternehmen begonnen. Kallbach kümmerte sich um die fliegerischen und technischen Angelegenheiten. Dabei wollte er sich die Erfahrungen der Armee zu Rate ziehen. „Macht, was ihr wollt. Aber lasst uns bei den Vorbereitungen aus dem Spiel“, schilderte Kallbach die Reaktion der Militärs auf den Plan, ein Flugzeug auf dem märkischen Sand des Gollenberges zur Landung zu bringen.

Um die Vorbereitungen vor Ort kümmerte sich die damalige Stöllner Bürgermeisterin Sybille Heling. Sie berichtete am Samstag von vielen Helfern. Aber auch 90 000 DDR- Mark musste die kleine Gemeinde zur Finanzierung der Kosten besorgen. Das Geld stellte die damalige Milchviehanlage Stölln bereit. Hauptbuchhalter war zu jener Zeit Horst Schwenzer, der seit 2004 Vorsitzender des Lilienthal-Vereins ist.

Doch das eigentliche „Husarenstück“ vollbrachte am 23. Oktober vor 20 Jahren Kallbach mit seiner Crew. Dafür wurde ihnen am Samstag noch einmal gedankt. Zu Ehren des Tages kreisten Motor- und Segelflugzeuge des heimatlichen Lilienthal-Flugsportvereins über dem Gollenberg.

Kallbach lobte die Bemühungen, das Erbe Lilienthals in Stölln lebendig zu halten und nannte als Beispiele die Einrichtung eines Lilienthalmuseums im Flugzeug und die Installation der Windharfe auf dem Gipfel des Gollenberges.

Mit Blick auf den Umbau der alten Stöllner Brennerei zu einem Lilienthal-Centrum sagte Kallbach, auch in den kommenden Jahren werde viel Gemeinschaftskraft notwendig sein, um Lilienthals Erbe weiter zu bewahren. Darauf solle man sich im Amt Rhinow konzentrieren statt in kommunalpolitische Zerreißproben zu verfallen. Die derzeitige Krise in der Amtsverwaltung müsste schnellstens beendet werden, sagte der Ex-Pilot. Ansonsten nehme nicht nur das Ländchen, sondern das gesamte Westhavelland Schaden.

geschrieben von Norbert Stein

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