Im Gespräch…

Was macht eigentlich das „grüne BUGA-Team“ des Zweckverbandes?

Oder: Vom Plan zum Park?

Drei Landschaftsarchitekten, ein Dipl.-Ing. Gartenbau und eine Dipl.-Geografin arbeiten im Moment in der Geschäftsstelle des BUGA-Zweckverbandes in Premnitz im sog. „grünen Team“. Sie machen sich Gedanken über Pflanzen, Wegstrukturen, Ausstattungen und alle gärtnerischen Themen, die vom 18.4.-11.10.2015 in den umzäunten Bereichen der fünf BUGA-Standorte zu sehen sein werden. Wenn es das „grüne Team“ nicht geben würde, käme kein Mensch zur BUGA. Sie füllen die BundesGARTENschau inhaltlich, sie sind die praktische Seite und sie müssen ein praktisches Händchen haben! Aber womit genau beschäftigen sie sich und wie bekommen sie die Kurve, um aus einem Plan einen grünen, ansehnlichen und dazu noch gut funktionierenden Park zu zaubern? Amanda Hasenfusz sprach mit Annett Morgenstern (AM), Frank Schröder (FS) und Rainer Berger (RB).

Ist die BUGA 2015 eine Herausforderung für euch?

AM: Auf jeden Fall! Wir betreuen fünf Standorte gleichzeitig und binden eine ganze Region in die Vorbereitungen ein. Allein aus logistischer Perspektive ist das eine unheimlich spannende Aufgabe. Was uns jedoch besonders am Herzen liegt, ist, dass wir durch die BUGA die unglaublichen Stärken dieser einzigartigen Havelregion herausstellen können. Da ist alles, was man braucht: Jahrtausendalte Geschichtsfragmente sowie ein modernes kulturelles Leben und natürlich Natur pur – kostbare Perlen an einer Kette. Wir müssen diese Kette 2015 nur erstrahlen lassen, damit sie hell und weit leuchten kann.

FS: Ich selbst habe schon zwei Landesgartenschauen aus planerischer Sicht begleiten dürfen und denke, dass diese BUGA tatsächlich sehr besonders wird. Eine Region in den Vordergrund zu stellen, ist etwas anderes als spezielle Punkte in einer großen Stadtlandschaft wie bei den bisherigen BUGA. Das ist eine große Herausforderung für uns Gartenleute.

Ähnlich sieht es Rainer Berger. Er ist der BUGA-Beauftragte der Deutschen Bundesgartenschaugesellschaft mbH und war schon bei vielen BUGA dabei. Rainer, deine wievielte BUGA ist das jetzt?

RB: Oh, da muss ich jetzt erstmal nachzählen… Also ich war bei der BUGA in Magdeburg, in Gera-Ronneburg und kürzlich in Koblenz dabei. Auch die IGA (Internationale Gartenschau) in Rostock durfte ich aus fachlicher Sicht begleiten. Das ist jetzt also meine fünfte Gartenschau.

Wie kann man sich eure Arbeit vorstellen? Seit ihr den ganzen Tag am Pläne zeichnen und bestellt dann die dazu passenden Pflanzen?

FS: Naja, das ist nur ein ganz kleiner Teil unserer Arbeit – auch wenn es bei einer BUGA um die Pflanzen geht. Eine Großveranstaltung wie unsere BUGA ist immer auch eine Leistungsschau aller grünen Gewerke. Das heißt, es gibt viele Wettbewerbe unter Landschaftsarchitekten und Planern zu organisieren, um möglichst die besten und originellsten Ideen für die Gestaltung der BUGA zu finden.

RB: Gartenschauen zu organisieren ist tatsächlich ein hochkomplexes Thema und braucht viel Vorlaufzeit und Erfahrung. Wichtig sind die brancheninternen Spezifika zu kennen und die aktuellen Züchtungen sowie die besten Qualitäten bei den Pflanzen. Wir wollen 2015 am Puls der (gärtnerischen) Zeit agieren. Deshalb arbeitet das „grüne Team“ bereits seit Anfang 2012 intensiv. Um die Dimension abschätzen zu können, ist vielleicht die Zahl 10 interessant: Von der Idee zu einer Gartenschau bis zur wirklichen Durchführung vergehen 10 Jahre. Das Ganze muss man sich wie einen riesigen Blumenstrauß vorstellen, der Blume für Blume zusammengesetzt wird, um am 18. April 2015 in seiner ganzen Pracht zu erstrahlen.

AM: Zu unserer Arbeit gehört es auch die beteiligten Kommunen bei der Ausführung der sog. „investiven Arbeiten“ zu begleiten – das sind die Baumaßnahmen, die nach der BUGA erhalten bleiben.

Es gibt sicherlich viel Abstimmungsbedarf vor Ort. Immerhin sind ja fünf Kommunen dabei.

FS: Ja, aber es ist schön zu sehen, wie sich in kurzer Zeit Projekte entwickeln und Kräfte mobilisiert werden. Das Wichtigste ist miteinander zu sprechen – auch über die engen Verwaltungsgrenzen hinaus. Abstimmung und eine gute Koordination ist sehr viel wert, denke ich. Da sind tatsächlich alle gefragt, weil wir mit dieser fünf Kommunen umfassenden BUGA einen vollkommen neuen Weg einschlagen.

AM: Die Anforderungen an alle sind hoch, das ist nicht zu leugnen. Ich selbst empfinde es als schöne und äußerst spannende Aufgabe mit fünf unterschiedlich aufgestellten Kommunen zu agieren. Langweilig wird uns dabei nie!

Ihr habt aber auch außerhalb der kommunalen Strukturen Kontakt zu Bürgern, zu Verbänden, zu Interessierten oder Vereinen. Wie werden die externen Ideen in die BUGA-Vorbereitungen integriert?

AM: Bei den Ideen, die von Bürgern und Vereinen oder Institutionen an uns herangetragen werden, versuchen wir gemeinsame Ziele herauszukristallisieren. Zum Beispiel arbeiten wir gerade mit dem Archäologischen Landesmuseum Brandenburg zusammen. Ein „Archäologischer Spielplatz“ ist eine Idee, die wir gemeinsam verfolgen. Ein Themengarten auf dem Packhofgelände in Brandenburg an der Havel und eine Sonderausstellung sind weitere schöne und spannende Kooperationspunkte.

FS: Auch die Kirche spielt eine Rolle bei uns. Es gibt ein sehr kreatives Projektbüro „Kirche und BUGA 2015“ mit Sitz in Rathenow – wir sind intensiv im Gespräch und freuen uns auf die Synergieeffekte, die so eine Zusammenarbeit mit sich bringt. Ganz wichtige Akteure sind bspw. auch die Kleingärtner. Auf der Gartenschau werden sie – stellvertretend für alle anderen urbanen Gärtner – in der Hansestadt Havelberg präsentiert, unmittelbar im Dombezirk.

RB: Besonders schön ist es übrigens zu sehen, wenn Menschen, Vereine oder Institutionen plötzlich zusammen agieren, die vorher noch nicht mal voneinander wussten. Wir sind quasi auch als Netzwerker unterwegs.

Wann finden die ersten Pflanzungen statt?

RB: Das ist ziemlich genau getaktet, um die optimalen Pflanzzeitpunkte einzuhalten. Wie gesagt Qualität auf allen Ebenen ist oberste Voraussetzung – auch beim Umgang mit den Pflanzen. Ohne jetzt ins Detail zu gehen, können wir sagen, dass bspw. die Stauden und die Rosen im kommenden Jahr gepflanzt werden, die Blumenzwiebeln (Tulpen und Narzissen) im Herbst 2014, die großen Wechselflorbeete im Frühjahr 2015 und die Gehölze je nach Baufortschritt bei den investiven Baumaßnahmen der Städte „nachrücken“. Hauptpflanzzeit bei den Letztgenannten ist das Frühjahr und der Herbst 2013.

Als Planer habt ihr, und das klang ja schon durch, nicht nur die Pflanzen im Blick, sondern auch die technischen Dinge. Was gibt es hier zu tun?

FS: Wichtig ist schon heute eine gute planerische Vorbereitung für die Erschließung, damit alles an der richtigen Stelle im Boden liegt. Wasser- und Stromanschlüsse müssen funktionieren, damit unsere BUGA-Logistik 2015 reibungslos läuft. Pannen können wir uns auf den insgesamt knapp 59 Hektar großen BUGA-Flächen von Havelberg bis zum 80 Kilometer entfernten Brandenburg an der Havel nicht leisten. Wenn die Besucher da sind, muss alles perfekt sein.

AM: Wir denken bereits jetzt über die Ausstattung der Flächen mit Bestuhlung, Liegen sowie Lampen nach. Da geht es einerseits um hohe Funktionalität, aber auch um eine gewisse und bezahlbare Ästhetik der Einzelelemente. Neue Kreationen sind gefragt – die wir gemeinsam mit Künstlern und innerhalb des Teams entwickeln. Das gesamte Besucherleitsystem ist ebenfalls Teil unserer Arbeit – da steckt oft der Teufel im Detail, weil alles Hand in Hand gehen muss.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Quelle: Zweckverband Bundesgartenschau 2015 Havelregion

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