Lilienthal-Centrum: Chef schmeißt frustriert hin

Über den Betrieb des Lilienthal-Centrums Stölln (LCS) ist ein Streit entbrannt. Der gipfelte Ende des vergangenen Jahres darin, dass Horst Schwenzer, Geschäftsführer der Lilienthal-Centrum Stölln Betreibergesellschaft, seinen Rücktritt erklärte. Dem vorausgegangen waren Vorwürfe, die von Gesellschaftern gegen Schwenzer erhoben wurden. Dieser habe, so die Klage, die Geschäfte nicht ordnungsgemäß geführt. Weder seien die vorgeschriebenen jährlichen Gesellschafterversammlungen einberufen worden, noch habe es eine transparente Buchführung gegeben.

Wolfgang Nitsche aus Neuwerder, der die Deutsche Gesellschaft für Luft und Raumfahrt in der LCS GmbH vertritt, spricht von „Merkwürdigkeiten“ und „Schluderei“. Aus dem Gesellschaftskapital sei Geld für GmbH-fremde Zwecke entnommen worden. Auf die Frage, was von wem für wen beschafft wurde, habe Horst Schwenzer keine plausible Antwort geben können. Deshalb hätten die Gesellschafter die Jahresabschlüsse 2012-15 nicht genehmigt und die Entlastung des Geschäftsführers verweigert. Worauf dieser zurückgetreten sei.

Schwenzer konnte „keine plausible Antwort liefern“

Jens Aasmann, als Amtsdirektor von Rhinow ebenfalls Mitglied der Betreibergesellschaft, bestätigt die Darstellung Nitsches im Groben. Wegen der Unstimmigkeiten hätten die Gesellschafter Ende November des vergangenen Jahres die Auflösung der Gesellschaft beschlossen. Ellen Schütt, die Kämmerin des Amtes Rhinow, sei zur Geschäftsführerin gewählt worden und habe den Auftrag erhalten, die LCS GmbH ordnungsgemäß abzuwickeln und dabei mögliche Unstimmigkeiten aufzuklären.

Horst Schwenzer ist empört über die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Jede Ausgabe der vergangenen Jahre, und sei sie noch so klein gewesen, sei abgerechnet und dokumentiert worden. Alle Unterlagen habe er nach seinem Rücktritt an Nachfolgerin Ellen Schütt übergeben. Bislang habe die ihm nichts vorgeworfen.

Sein Rücktritt sei alles andere als ein Schuldeingeständnis, so Schwenzer weiter. Das Amt habe er niedergelegt, weil die 2008 gegründete Betreibergesellschaft eine Totgeburt gewesen sei. Im Grunde sei sie nur auf dem Papier existent gewesen. Um den Betrieb des Lilienthal-Centrums habe sich der Otto Lilienthal Verein gekümmert – und zwar mit Zustimmung der LCS GmbH. Auf Drängen der Gesellschafter habe er, Schwenzer, sich 2008 breitschlagen lassen, die Geschäftsführung der LCS GmbH zu übernehmen. Natürlich habe er in seiner Funktion Ausgaben getätigt. Aber jede sei dokumentiert und könne nachverfolgt werden.

Dass die Betreibergesellschaft, in der neben der Gemeinde Stölln als Hauptgesellschafter der Lilienthalverein, die Stadt und das Amt Rhinow, die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt sowie drei weitere Kleingesellschafter vertreten sind, ihrer Aufgabe nie nachgekommen ist, bestreiten auch die Kritiker Schwenzers nicht. Ziel sei es gewesen, den Lilienthalverein, unter dessen Federführung das Centrum errichtet worden war, zu entlasten und den Betrieb des Centrums auf mehrere Schultern zu verteilen, sagt Wolfgang Nitsche. Aber dagegen habe der Lilienthalverein unter Vorsitz Schwenzers sich gesperrt.

Schwenzer: „War der Dumme, der die Arbeit macht“

Der gerät angesichts dieses Vorwurfs in Rage. Die Betreibergesellschaft habe von der Stunde ihrer Gründung an durch Inaktivität geglänzt. Für inhaltliche Fragen in bezug auf das Lilienthal-Centrum habe sich keiner der Gesellschafter interessiert. „Die waren im Grunde alle froh, dass sie einen Dummen gefunden hatten, der die Arbeit macht“, so Schwenzer. Nach Jahren der Untätigkeit nun hinzugehen und die Arbeit, die niemand machen wollte, in den Dreck zu ziehen, sei schlechter Stil.

„Es geht nicht um Stil, sondern darum, von dem Geschäftsführer einer GmbH zu verlangen, dass er seine Arbeit nach den gesetzlichen Vorgaben erledigt“, hält Wolfgang Nitsche entgegen. Er fordere nichts weiter als Klarheit über die Verwendung von Teilen des GmbH-Kapitals. Das sei ja wohl nicht zu viel verlangt. Zumal es sich bei den Einlagen zum größten Teil um Steuergeld handele.

Von Markus Kniebeler (Märkische Allgemeine)

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