Lilienthals echte Erben

Der 165. Geburtstag des Flugpioniers wurde vorgefeiert und der Besucheransturm in Stölln war so groß, wie lange nicht mehr

Modellbauer Helmut Wernicke aus Rathenow zeigte eine Auswahl seiner Flugmodelle. Musik, Bingoshow, Spiele und alte Filme über Stölln sorgten für Unterhaltung und Abwechslung auf dem Platz vor der Lady Agnes.

Am Pfingstsonntag war eine Menge los auf und über dem Gollenberg in Stölln. Die Kulisse stimmte und das Wetter auch. Nur etwas zu viel Wind blies auf Lilienthals Flugversuchsplatz, um auch die ganz großen Lenkdrachen aufsteigen zu lassen. Dafür drehten immer wieder kleine Flugzeuge am Himmel Ehrenschleifen über dem Gelände.

Vor dem Gollenberg mussten zusätzliche Parkmöglichkeiten ge-schaffen werden, damit Besucher ihre Autos abstellen konnten. Auf dem Parkplatz und auf der Zufahrtsstraße zum Gollenberg war schon zur Mittagszeit keine Parklücke mehr frei. Der Platz an der Flugschule stand nicht zur Verfügung, weil er derzeit als Pkw-Parkplatz für die Bundesgartenschau 2015 hergerichtet wird. Aus einem Umkreis von 100 Kilometern waren die meisten Besucher angereist, um sich auf dem Gollenberg zu entspannen und Flugatmosphäre zu schnuppern.

So viele Besucher waren schon lange nicht mehr bei einem Fest rund um die Fliegerei in Stölln. Alle wollten dabei sein, beim 165. Geburtstagsfest für Otto Lilienthal auf dem Gollenberg. Geboren ist der Flugpionier am 23. Mai 1848 in Anklam. 1893 kam er nach Stölln und begutachtete den damals noch unbewaldeten Gollenberg. Am 9. August 1896, nach etlichen erfolgreichen Flugversuchen, verunglückte Lilienthal und starb einen Tag danach in einem Berliner Krankenhaus.

Weil es sich an einem arbeitsfreien Tag besser feiert, hatte der Lilienthal-Verein Stölln, Gastgeber der Geburtstagsparty, das Fest um vier Tage auf den Pfingstsonntag vorgezogen. Eröffnet wurde die Feier am Vormittag mit einer offiziellen Würdigung Lilienthals. Horst Schwenzer, Vorsitzender des Lilienthal-Vereins Stölln, lobte dessen Leistungen als Flugpio-nier. 2000 Flugversuche hat Lilienthal gestartet und war dabei insgesamt 2,5 Stunden in der Luft. Joachim Grenzhöfer, Beauftragter für das Lilienthalerbe bei den Luftfahrtclubs in Berlin und Brandenburg, rückte die Leistungen des Maschinenbauingenieurs und Unternehmers Otto Lilienthals in den Mittelpunkt seiner Rede. Lilienthal hat 18 verschiedene Flugzeuge konstruiert und bauen lassen, von denen heute noch vier erhalten sind. „Fliegerisch betrachtet“, so Grenzhöfer, „sind die Drachenflieger die eigentlichen Erben Lilienthals.“ Sich im Sinne Lilienthals zu engagieren sei aller Ehren wert, sagte die langjährige Bürgermeisterin von Stölln und Rhinow, Sybille Heling. (Von Norbert Stein)

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